Lederkunde von A bis Z
Definition
- Leder:
Leder ist die allgemeine Bezeichnung für gegerbte Häute
und Felle von zahmen oder wildlebenden Tieren, deren ursprüngliche
Faserstruktur im Wesentlichen erhalten bleibt. Der Gerber versteht
unter Häuten nur das den Körper größerer
Schlachttiere (z.B. Pferde, Rinder und Schweine) umgebende Gewebe
und bezeichnet die Körperdecke kleinerer Schlachttiere (z.B.
Kälber, Schafe und Ziegen) als Felle.
- Herstellung:
Zur Lederherstellung dient allein die von Haaren, Oberhaut und
Unterhaut befreite Lederhaut. Nach Überführung der Rothäute
in sog. Blößen erfolgt die Umwandlung der Blößen
in Leder mit Hilfe unterschiedlicher
Gerbstoffe nach verschiedenen Gerbverfahren, wodurch das Leder
wasser- und fäulnisbeständig, elastisch und geschmeidig
wird. Danach erfolgt die weitere Veredelung in der sog. Zurichtung,
um das Leder für die verschiedenen Verwendungsgebiete brauchbar
zu machen.
Leder hat zwei Seiten: Auf der "Narbenseite" waren die Haare,
die Fleischseite war dem Tier zugewandt. Kräftige Häute
wie das des Rindes werden vor dem Gerben gespalten. Es entsteht
die "Narbenspaltseite" als oberer und die Fleischspaltseite als
unterer, abgespalteter Teil der Haut. Alle Seiten werden zu Leder
verarbeitet.
- Sorten:
Leder ist nicht immer gleich Leder. Sie brauchen für Bekleidung
ein andere Sorte als für Möbel oder Schuhe. Unterschieden
und bezeichnet wird Leder nach:
Art der Häute
Art der Gerbung
Art der Färbung
Art der Zurichtung
Verwendungszweck
Daher die verschiedenen Ausführungen und Sorten von Leder:
Anilinleder/ Beschichtetes
Leder/ Boxcalf/ Chevreau/
Doubleface/ Exotenleder/
Fantasieleder/ Fell/
Futterleder/ Glattleder/ Hirschleder/
Imprägniertes Leder/ Lackleder/
Leder/ Nappaleder/
Nubuk/ Oberleder/ Pergament/
Rindboxleder/ Saffian/
Sohlleder/ Spaltleder/
Straußenleder/ Veloursleder/
Waterproof/ Wildleder/
Zurichtung.
Das Stella-Team möchte ihnen gern erklären, worauf es
bei Bekleidungsleder ankommt: Wir habe das Wichtigste in einem kleinen
Leder-ABC zusammengestellt.:
A-E, F-L, M-P,
R-Z.
A-L
Anilinleder:
Traditioneller Begriff für ein speziell gefärbtes Leder.
Das aus Teer gewonnene Anilin wird seit langem nicht mehr zum Lederfärben
verwendet
Beschichtetes Leder:
Damit man dieses Material noch als Leder bezeichnen darf, soll der
Oberflächenbezug nicht mehr als ein Drittel der gesamten Stärke
des Leders betragen. Er muß aber stärker als 0,15 Millimeter
sein
Boxcalf:
Feines, festes Glattleder vom Kalb, chromgegerbt, für Schuhe
und Taschen häufig verwendet.
Chevreau:
Sehr festes Ziegen- und Zickenglattleder für Schuhe. Es ist
meistens chromgegerbt, hat eine feste Struktur und eine leuchende
Oberfläche.
Doubleface:
Naturgewachsenes Schaf- und Lammfell für warme Kleidung, winterliche
Schuhe, Stiefel und Handschuhe, das mit der Wolle nach innen getragen
wird. Aussen ist die Veloursseite sichtbar. Man nennt es auch Pelzvelours,
Lederpelz, Lammfell oder gewachsenes Lammvelours
Exotenleder:
Sammelbegriff für Leder aus den Häuten von Krokodilen,
Schlangen oder Eidechsen. Sehr wertvolles Leder, das hauptsächlich
zu Lederwaren verarbeitet wird. Beim Kauf müssen die Artenschutzbestimmungen
beachtet werden. Zurück
F-L
Fantasieleder:
Das Leder kann von allen Tieren stammen. Es enthält durch eine
fantasievolle Bearbeitung der Oberfläche wie Bedrucken, Prägen
usw. seinen Namen. Eine besonders beliebte Fantasie-Variante sind
Reptil-Prägungen, die von echtem Exotenleder kaum zu unterscheiden
sind.
Fell:
Allgemeine Bezeichnung für Tierhaut mit Haaren. In der lederfachlichen
Sprache bezeichnet man als Fell die Haut kleinerer Tiere wie Schaf,
Lamm, Ziege oder Kalb.
Futterleder:
Ein sehr dünnes, flexibles Leder vom Schaf, Kalb, Rind oder
Schwein. Es dient als Lederfutter in Schuhen oder Lederwaren, wird
aber auch für orthopädische Zwecke verwendet.
Glattleder:
Wichtiger Oberbegriff für alle Lederarten, die auf der "Narbenseite"
entstehen. Es kann glatt, strukturiert, genarbt, geprägt oder
geschrumpft sein.
Hirschleder:
Griffiges, jedoch kräftiges Leder, früher hauptsächlich
aus Wildleder, oft für Trachtenkleidung hergestellt. Heute
auch für modische Kleidung verwendet, z.T. auch als Hirschnappa.
Imprägniertes Leder:
Wasser- und schmutzabweisendes Leder, das diese Eigenschaften bereits
bei der Gerbung erhält. Die Imprägnierung ist viel wirksamer
als eine nachträgliche Behandlung, z.B. durch ein Spray.
Die typischen Ledermerkmale bleiben erhalten.
Lackleder:
Hochglänzendes Leder mit spiegelnde Oberfläche von Rind,
Kalb oder Ziege. Hauptsächlich zu Schuhen und Lederwaren, gelegentlich
auch zu Bekleidung verarbeitet. Das Leder erhält sein typisches
Aussehen durch eine dünne Beschichung mit Lack oder Firniss.
Leder:
Allgemeine Bezeichnung für gegerbte Häute und Felle, deren
ursprüngliche Faserstruktur im Wesentlichen unverändert
bleibt und durch Gerbung dauerhaft haltbar ist. Bei Leder mit einem
Oberflächenbezug aus Kunsttstoff darf die aufgebrachte Schicht
nicht stärker als 0,15 mm sein. Zurück.
M-P
Nappaleder:
Sehr weiches, griffiges Glattleder. Ursprünglich nur die Bezeichnung
für Handschuh- und Bekleidungsleder, heute jedoch Sammelbegriff
für besonders geschmeidiges Glattleder aller Tierarten und
Verwendungszwecke. Benannt nach der kalifornischen Stadt Napa, wo
das Bearbeitungsverfahren entwickelt wurde.
Nubuk:
Auf der "Narbenseite" leicht angeschliffenes Kalb- oder Rindleder
mit samtiger Oberfläche, dem Veloursleder ähnlich, aber
noch feiner. In allen Verwendungsbereichen anzutreffen.
Oberleder:
Bezeichnung des Leders für die äusseren Schuhoberteile,
den Schuhschaft. Alle Lederarten können zu Oberleder verarbeitet
werden, je nach Verwendungszweck.
Pergament:
Durchsichtige, lichtdurchlässige Haut mit glatter Obrfläche
für Urkunden, Bucheinbände und ähnliche Zwecke. Sie
kann von Ziege, Kalb oder Schwein stammen und wird ohne Gerbung
durch Trocknen erzeugt. Zurück.
R-Z
Rindbox:
Vollnarbiges, chromgegerbtes und sehr kräftiges Rindleder für
Schuhe und Lederwaren.
Saffian:
Unter der Verwendung von Sumach pflanzlich gegerbtes Ziegenleder
für feine Lederwaren mit natürlicher Oberflächenstruktur.
Charakteristisch ist das Knirschen des echten Saffianleders.
Sohlleder:
Kräftiges, strapazierfähiges und stabiles Rindleder für
Schuhsohle, meistens pflanzlich oder chrom-pflanzlich gegerbt. Es
entsteht oft im traditionellen Verfahren der Alt-/ Grubengerbung
Spaltleder:
Leder aus den Fleischspalt, auch Spalt-Velours genannt, es wird
für verschiedenste Zwecke verwendet. Wichtig als flexibles
Brandsohlleder bei Schuhen, aber auch als Arbeitsschutzleder für
Schürzen, Anzüge oder Handschuhe.
Straußenleder:
Hochwertiges Glattleder mit noppenartigem Narbenbild vom Vogel Strauss.
Für feine Lederwaren und Bekleidung.
Veloursleder:
Wichtiger Obergegriff für alle auf der "Fleischseite" angeschliffenen
Lederarten. Es ist besonders weich und geschmeidig, kann von fast
allen Tieren stammen und wird für jede Verwendung eingesetzt.
Waterproof:
Bezeichnung für die wasserabweisende Eigenschaft von Leder
für Schuhe und Bekleidung. Es wird in der Gerberei mit imprägnierenden
Stoffen behandelt.
Wildleder:
Sehr anschmiegsames, samtiges Leder vom Hirsch, Elch, Reh oder Gemse.
Im Volksmund die Bezeichnung für Velours- und Nubukleder. Wird
gern für Trachten oder Trachtenmode verwendet. Im hochmodischen
Bereich auch als Glattleder anzutreffen.
Zurichtung:
Alle Abeitsgänge, die das Leder nach der Gerbung veredeln.
Die abschließende Veredlungsarbeiten nennt man "Finish". Zurück.
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